Warum Waghäusel eine Hundewiese braucht?

Viele kennen das Problem, ob Hundehalter oder nicht. Wo darf man seinen Hund ausführen, damit er sein Geschäft machen kann, ausreichend Bewegung bekommt und soziales Verhalten trainiert?
Die Antwort scheint in einem ländlichen Gebiet wie rund um Waghäusel auf der Hand zu liegen. Im Umland scheint - leicht zu erreichen - reichlich Wald und Wiese zur Verfügung zu stehen. Doch in der Praxis sieht die Sache leider nicht ganz so einfach aus. Es kommt immer wieder und aus den unterschiedlichsten Gründen zu Konflikten.

Von einigen Menschen werden Hunde häufig von vorne herein als störend empfunden und abgelehnt. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn Menschen, die keine Hunde mögen, diese einfach ignorieren würden¹. Doch leider kommt es nicht selten dazu, dass sich Hundebesitzer unangemessene Kommentare oder gar Beschimpfungen gefallen lassen müssen. Einige genervte Mitbürger greifen sogar zu grauenvollen Methoden, um den Störfaktor Hund loszuwerden. Sie schaffen tödliche Gefahrenquellen und legen Giftköder oder mit Rasierklingen bestücktes Fleisch aus. Und all das, weil viele der Meinung sind, ihre eigenen Bedürfnisse seien wichtiger als die der anderen.
Bei der heutigen Bevölkerungsdichte sollte man sich jedoch mal in Erinnerung rufen, dass es nicht immer so einfach ist von seiner eigenen Freiheit Gebrauch zu machen, ohne die eines anderen zu stören. Auch bei diesem Thema ist Toleranz und Respekt Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben².
Ob man nun Hunde mag oder nicht, sie sind Teil unserer Gesellschaft. Sie sind ein wichtiges Bindeglied. Sie fördern soziale Kontakte, sind oft ein richtiges Familienmitglied und leisten bedeutende soziale Arbeit. Für viel ältere oder einsame Menschen sind sie eine unersetzliche Bezugsperson. Sie helfen als Therapiehunde kranken Menschen und retten als Such- und Rettungshunde Leben.

Ein großer Streitpunkt beim Thema Hund und Auslauf ist die Leinenpflicht. Wie sinnvoll diese ist und was für Vor- oder Nachteile sie hat, mag jetzt mal dahin gestellt sein. Fakt ist, dass der Hund vom Wolf abstammt und dessen Gene befinden sich immer noch in seinem Blut. Laufen ist für ihn ein Urtrieb. Zu wenig Bewegung macht krank und fördert aggressives Verhalten. Durch immer strenger werdende Regeln ist es jedoch kaum noch möglich, seinen Hund ohne Leine, also uneingeschränkt wie die Natur das vorgesehen hat, laufen zu lassen. Auch weit außerhalb von Wohngebieten werden die Hundebesitzer

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1 Jedem vernünftigen Menschen ist bewusst, dass es schwarze Schafe gibt, die es anderen schwer machen sie zu ignorieren und vor allem für Hunde-Phobiker ein ernst zu nehmendes Problem darstellen. Doch die Meisten sind ernsthaft darum bemüht ihrem Hund angemessenes Benehmen beizubringen, so dass sich andere nicht belästigt fühlen.
2 Ich hätte eine Menge grauer Haare, wenn ich mich nicht mit meinen Mitmenschen arrangieren würde und jedes Mal aus der Haut fahre, wenn der Nachbarsjunge mal wieder zu lange Schlagzeug übt oder das siebte Auto Richtung Spargelhof meinen Spaziergang stört.



angehalten ihren Hund an der Leine zu führen³. Sei es, weil der Landwirt ihn nicht auf seinem Feld will, der Förster das Wild schützt oder der Jogger sein Lauftempo anpassen muss. Die Gründe der einzelnen Interessenfraktionen sind vielfältig und auch durchaus zu verstehen. Doch die Auseinandersetzungen kommen selbst dann oft zustande, wenn der Hund brav bei Fuß läuft.

Noch ein großer Konfliktpunkt ist der Hundekot. Häufig bleibt er liegen und das ist vor allem auf Gehwegen unangenehm und inakzeptabel. Die Verursacher argumentieren hauptsächlich damit, dass sie ja Steuern für die Reinigung zahlen. Das ist nicht nur falsch - denn die Hundesteuer ist ein archaisches überbleibsel, dass zum Stopfen anderer Haushaltslöcher weiter erhalten wird und aus deren Zahlungspflicht sich keinerlei Rechte oder Pflichten für den Empfänger (die Gemeinde) ergeben – sondern auch unsozial, denn die gesundheitsschädlichen Dreckhäufchen sind ein ärgernis für jeden, der hineinsteigt, ob Hundehalter oder nicht.
Aber auch im Feld wird die Hinterlassenschaft der Vierbeiner bemängelt. Der Landwirt und private Feldbesitzer will die Tretmiene nicht auf seiner Wiese oder dem Acker, der Spaziergänger möchte den Haufen nicht am Rand liegen haben. Aber jede Katze und jeder Fuchs machen in weiter Flur ihr Geschäft und mal abgesehen davon ist das ganze biologisch abbaubar. Außerdem gibt es, wenn man sich die Mühe macht den Kot einzusammeln, weit und breit keine Möglichkeiten das Bombentütchen zu entsorgen.

Wie immer wenn verschiedene Lebensauffassungen – und ja, Hundehalter zu sein ist eine Lebensauffassung – aufeinanderprallen, gibt es viele Argumente und einiges an Wut auf beiden Seiten. Egal auf welcher Seite man steht, es ist nie verkehrt Verständnis zu haben und etwas an den Gegebenheiten zu ändern und zu verbessern. Was den Hund angeht gibt es eine erprobte und gute Möglichkeit viele der Probleme, die sowohl Halter als auch Nichtliebhaber haben, zu minimieren. Die Hundewiese.
Dort können sich die Tiere auspowern und ihrem natürlichen Bewegungsdrang Geltung verschaffen. Sie treffen Artgenossen, pflegen so soziale Kontakte und dass schafft ein gutes Sozialverhalten. Die Halter können sich in einer entspannten und sicheren Umgebung austauschen und voneinander lernen. Die Fäkalien können in dafür vorgesehenen Tonnen auf der Wiese entsorgt werden. Das hilft nicht nur Förstern, Landwirten und Freiluftfreunden, die mit weit weniger Fäkalien und Hundebegegnungen rechnen können, sondern auch Menschen die Angst vor Hunden haben. Denn durch regelmäßige Nutzung solcher Plätze – und Beispiele aus anderen Ortschaften belegen, dass Hundewiesen ausgiebig genutzt werden – können Aggressionen abgebaut und aufgestaute Energien freigesetzt werden, was einen ausgeglichenen Hund schafft.
Und Hundehalter hätten endlich mal das Gefühl ihre Steuern nicht nur aus Schikane zahlen zu müssen, denn die behördlichen Maßnahmen der letzten Monate4 riefen in vielen das Gefühl hervor regelrecht drangsaliert zu werden. Vor allem da ohnehin schon viel Groll wegen der unterschiedlichen Behandlung zu anderen Haustierbesitzern gehegt wird.

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3 Vor kurzem erschien wieder ein Beitrag im Mitteilungsblatt, der Hundehalter anwies ihre Hunde von Feldern fern zu halten, und andere nicht zu stören und an die drohenden, empfindlichen Geldbußen erinnerte, die bei Zuwiderhandlung durchgesetzt werden.
4 Die Zählung von Hunden in privaten Haushalten durch eine, von der Stadt, beauftragte Fremdfirma.




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